Replay:
Impro auf dem Kleinen Schlossplatz – Geschichten zwischen Liegestühlen und Passanten

Bühne des Impro Kollektivs auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart mit Liegestühlen für das Publikum vor Beginn eines Improabends unter freiem Himmel.
Bühne und Liegestühle auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart kurz vor dem Improauftritt des Impro Kollektivs.

Der erste Bad impro Can Replay: „Impro unter freiem Himmel“ – Aufführung am 22. Mai 2026!

Manche Improabende beginnen mit einem ausverkauften Saal und einem erwartungsvollen Publikum. Der Auftritt des Impro Kollektivs auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart fühlte sich dagegen ganz anders an: da entstanden wir Geschichten zwischen Liegestühlen und Passanten.

Der Platz war belebt. Auf dem Schlossplatz lief zeitgleich eine Veranstaltung des SWR, Menschen bewegten sich zwischen den verschiedenen Angeboten, Musik war aus der Umgebung zu hören und immer wieder kamen neue Passanten vorbei. Am Rand des Kleinen Schlossplatzes stand eine Bühne mit Mikrofonen, Verstärkung und einer Reihe von Liegestühlen für das Publikum.

Für das Impro Kollektiv kamen Spielerinnen und Spieler verschiedener Gruppen zusammen – darunter Frackwürdig, Spielfältig, Otter im Glashaus, Die Maßschneiderei und Bad Impro Can. Drei Spielblöcke über den Abend verteilt boten reichlich Gelegenheit für spontane Geschichten, unerwartete Wendungen und Begegnungen.

Ein Publikum zwischen Liegestühlen und Passanten

Die Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer veränderte sich im Laufe des Abends immer wieder. Einige waren gezielt gekommen, andere blieben spontan stehen oder ließen sich für eine Weile in einen der Liegestühle fallen.

Besonders schön war dabei, dass die Menschen vor Ort trotz der entspannten Liegestuhl-Atmosphäre und des geschäftigen Umfelds immer wieder Ideen beisteuerten. Aus ihren Vorschlägen entstanden Szenen, Figuren und Geschichten, die vorher niemand geplant hatte.

Es braucht kein riesiges Publikum, um gemeinsam kreativ zu werden. Die Ideen der Menschen vor der Bühne waren genau der Funke, aus dem etwas Neues entstand. Passend zu unserer Probenphilosophie: „Impro wächst im Miteinander“!

Unser Moderator Mario nahm die Vorschläge auf, spielte sie ins Ensemble und machte sie zum Ausgangspunkt für das Bühnengeschehen.

Impro auf dem Kleinen Schlossplatz:
von der Sauna nach Schweden

Wie so oft beim Improvisieren führten die Vorschläge an Orte, die vorher niemand geplant hatte.

In einer Geschichte begann alles mit einem Paar in einer Sauna. Wenig später ging es um eine Entführung und schließlich musste eine aus Kinderhörbüchern bekannte Hexe zur Rettung eilen.

An anderer Stelle wollte ein wohlhabendes Paar bei einer Auktion etwas ersteigern. Weil die Beziehung der beiden nicht ganz glücklich verlief, ersteigerte die Ehefrau kurzerhand mit dem Geld ihres Mannes den Assistenten des Auktionators. Später tauchte diese Idee in einem Freeze Tag erneut auf, als der frisch ersteigerte Assistent kurzerhand zwischen wertvollen Mingvasen platziert wurde – allein um die Ehefrau zu ärgern.

Gerade solche Rückgriffe machen den Reiz eines Improabends aus. Ideen verschwinden nicht einfach wieder, sondern finden manchmal überraschend ihren Weg zurück in spätere Szenen.

Wenn der Platz mitspielt

Impro unter freiem Himmel unterscheidet sich spürbar von einem Auftritt in einem geschlossenen Raum.

Auf dem Kleinen Schlossplatz war ständig Bewegung. Musik aus Bars, vorbeiziehende Gruppen, neugierige Passanten und die Geräusche der Stadt wurden Teil der Atmosphäre. Die Welt außerhalb der Bühne verschwand nicht – sie blieb präsent und lieferte immer wieder neue Eindrücke.

Sogar abseits der Bühne entstanden eigene Geschichten. Als einer der Spieler ungewöhnlich lange verschwunden blieb, stellte sich schließlich heraus, dass er versehentlich in einer öffentlichen Toilette eingeschlossen worden war. Während man hinter der Bühne noch rätselte, warum er so lange brauchte, war zwischenzeitlich sogar die Polizei aufmerksam geworden. Impro gab es an diesem Abend also nicht nur auf der Bühne.

Gemeinsam statt eingespielt

Für die Spielenden war der Abend auch deshalb besonders, weil Menschen aus unterschiedlichen Gruppen gemeinsam auf der Bühne standen. Wer regelmäßig miteinander spielt, kennt viele Gewohnheiten und Muster der anderen bereits. Hier war das anders.

Manche Reaktionen kamen überraschend, manche Spielregeln wurden leicht unterschiedlich erinnert und immer wieder entstanden Situationen, mit denen niemand gerechnet hatte. Genau dadurch ergaben sich neue Impulse und unerwartete Momente.

Was bleibt

Wenn wir an diesen Abend zurückdenken, dann nicht wegen einer einzelnen großen Szene.

In Erinnerung bleibt vor allem, wie Menschen auf einem öffentlichen Platz zusammenkamen, Ideen teilten und daraus Geschichten entstanden. Das Publikum war nicht riesig, aber die Menschen, die da waren, brachten sich ein. Aus ihren Vorschlägen wurden Saunagespräche, Auktionen, Singwettbewerbe und Rettungsaktionen.

Für ein paar Stunden entstand auf dem Kleinen Schlossplatz etwas, das es vorher nicht gab und danach auch nicht mehr geben wird: ein gemeinsames Spiel aus Ideen, Zufällen und Begegnungen.

Aus Liegestühlen, Zurufen, Passanten, Spielenden und einer Handvoll guter Vorschläge.

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